Warum ein Verlagsvertrag nicht immer der beste Weg ist

Viele fragen, wie lange ich an einem Buch schreibe. Doch zwischen erster Idee, Rohfassung und zahllosen Überarbeitungen liegen oft nicht Wochen, sondern Jahre. In jedes Manuskript fließen Hoffnungen, Zweifel und sehr viel Zeit.

Heute gebe ich einen Blick hinter die Kulissen von Just One Night in Rome: Warum ich mich trotz Interesse gegen einen Verlagsweg entschieden habe, weshalb der Vertrag nicht immer die beste Wahl ist und wie daraus mein größter Selfpublishing-Erfolg wurde.

Die Entstehungsgeschichte: Von der Inspiration bis zum Buchhit

  • Freitag, 18.05.2018 — Rom: Es ist der letzte Abend meiner Italienreise, ich sitze alleine in meinem Hostelzimmer und hinterfrage, ob es wirklich richtig war meine letzte Beziehung zu beenden. Einer meiner Zimmergenossen kommt zurück und aus einem kurzen Smalltalk wird unerwartet das längste Gespräch meines Lebens. Innerhalb einer Nacht wird mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt und ich erlebe meine persönliche “Just One Night in Rome”.
  • Freitag, 01.11.2019 — Santiago de Chile: Vor wenigen Tagen bin ich nach Chile gezogen, es ist der erste Tag vom NaNoWriMo und ich schreibe das erste Kapitel von “Just One Night in Rome”. Innerhalb von zwei Monaten ist die Rohfassung fertig und ich entscheide, dass es eine Dilogie wird.
  • Donnerstag, 13.08.2020 — Hannover: Der Rohentwurf wurde mehrfach überarbeitet. Ich starte auf Instagram einen Aufruf und eine Handvoll Testleserinnen ist so lieb, den ersten Band zu lesen.
  • Freitag, 09.10.2020 — Paris: Die erste Literaturagentur sagt ab, da „Verlage gerade mit (New-Adult-)Stoffen überschwemmt werden”. Die Nächste will, dass ich den chilenischen Protagonisten in einen Amerikaner ändere. Ich lehne ab, da gerade die kulturellen Unterschiede das Grundkonzept des Buches ausmachen. Ich berate mich mit anderen Autorinnen und sie machen mir Mut erst mal etwas anderes zu schreiben. Ich fange zwei neue Manuskripte an, aber mein Herzensprojekt lässt mich nicht los.
  • Dienstag, 11.10.2022 — Amsterdam: Nachdem ich keine Literaturagentur für die Dilogie gewinnen konnte, schicke ich “Just One Night in Rome” zum ersten Mal direkt an einen Verlag.
  • Mittwoch, 26.10.2022: Da ist sie: eine Antwort von einem Verlag. “Wir danken dir für deine Bewerbung”, heißt es in der Mail-Vorschau und ich denke: Absage. Falsch gedacht, der Verlag fragt an, ob ich die Dilogie auch in einen Einzelband umschreiben kann. Ich schicke zwei kurze Vorschläge und dann heißt es abwarten. Jeden Tag checke ich meine Mails. Zum ersten Mal seit Jahren läuft der NaNoWriMo nicht bei mir und die Zweifel sind groß. Dafür darf ich für eine Hochzeit nach Chile reisen – erstmalig nach der Pandemie sehe ich mein damaliges Zuhause wieder und verliebe mich aufs Neue in das Land.
  • Dienstag, 15.11.2022 — Santiago de Chile: Die lang erwartete Rückmeldung vom Verlag. Die Mail-Vorschau klingt formell, ich will gar nicht lesen, was sie schreiben. Dann tue ich es doch und – MOMENT WAS?! Da ist sie, die Zusage für mein Herzensprojekt! Ich lache und weine gleichzeitig. Mein Freund versteht nicht was los ist. “Da ist dieser Verlag, dieser echt tolle Verlag”, erkläre ich ihm auf Englisch, “und die wollen unsere Geschichte.” Sollte es genau so sein, dass ich meine Zusage in Chile bekomme?
  • Montag 21.11.2022: Ich beginne mit der Romankürzung, 44k-Wörter müssen gestrichen werden. Einige Fragen werden mit dem Verlag geklärt und es sieht alles gut aus, doch als ich die Vertragslaufzeit verhandeln will, besteht der Verlag auf eine Klausel, die bedeuten würde, dass ich mein Urheberrecht als Autorin abgebe. Abermals suche ich Rat bei anderen Autorinnen und komme zu dem Schluss, dass eine gute Zusammenarbeit nicht auf Grundlage unfairer Bedingungen funktionieren kann. Das Urheberrecht trete ich nicht ab, schon gar nicht für meine persönliche Geschichte. Es ist, als hätte man mir den Wind aus den Segeln genommen und die nächsten Wochen will ich mich nur noch im Bett verkriechen. Die gescheiterte Verlagszusage zu verkraften ist komischerweise härter als eine herkömmliche Absage. War es die richtige Entscheidung? Ja. Fühlt es sich trotzdem wie ein geplatzter Traum an? Definitiv.
  • Donnerstag 04.02.2023 — Hannover: Eine meiner Testleserinnen meldet sich bei mir und fragt, wann das Buch erscheint. Auch nach 2.5 Jahren ist ihr die Geschichte im Kopf geblieben. Wenn eine Leserin so sehr an mein Buch glaubt, sollte ich es dann nicht auch tun?
  • 18.03.2023: Die erste Lektoratsrunde startet und ich beschließe, das Buch im Selfpublishing zu veröffentlichen.
  • 18.05.2023: 5 Jahre sind seit der Rom-Nacht vergangen und ich bin froh, die Erlebnisse aufgeschrieben zu haben, denn an viele Details würde ich mich ohne Buch gar nicht mehr erinnern.
  • 01.07.2023: Über fünf Jahre habe ich gebraucht, aber mit jeder Überarbeitung ist die Geschichte noch ein bisschen besser geworden.
  • 03.08.2023: Die englische Version erscheint und es gibt sogar eine Signieraktion bei der hunderte Bücher bestellt werden. Die Charakterkarten kommen super an und meine Leser:innen schicken mir zahlreiche süße Bilder.
  • 20.05.2024: Mein allererstes Zeitungsinterview erscheint im Stadtkind und eine komplette Seite wird mir und der Dilogie gewidmet. Ich kann immer noch nicht fassen, wie viele Menschen sich in die Figuren und Geschichte verliebt haben.
  • 14.02.2025: Die wunderbare Hörbuchsprecherin Ramona Sieger kontaktiert mich und wir bringen gemeinsam die beiden Hörbücher zur Dilogie heraus.

Am Ende gibt es keinen einzig richtigen Weg zur Veröffentlichung. Verlagsvertrag oder Selfpublishing – beides kann großartig sein, solange es zu dir, deinem Buch und deinen Zielen passt. Für Just One Night in Rome war die unabhängige Veröffentlichung genau der Schritt, der sich richtig angefühlt hat.

Ich hoffe, mein Blick hinter die Kulissen zeigt dir: Eine Verlagsabsage oder ein bewusst abgelehnter Vertrag kann manchmal der Anfang von etwas viel Größerem sein.

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